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Wiesenkräuter füttern

Die Nachfrage nach getrockneten Wiesenkräutern, Kräutermischungen und sogenannten Naturfuttermitteln für Pferde ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Ob Brennnessel, Spitzwegerich, Schafgarbe oder Löwenzahn – viele Hersteller werben mit einer naturnahen Ernährung und zahlreichen positiven Eigenschaften der Pflanzen. Gleichzeitig stellen sich viele Pferdehalter eine berechtigte Frage: Sind Wiesenkräuter tatsächlich eine sinnvolle Ergänzung des Futterplans oder handelt es sich überwiegend um ein geschicktes Marketingprodukt?

Die Antwort ist differenzierter, als viele vermuten. Richtig eingesetzt können Wiesenkräuter die Fütterung sinnvoll ergänzen. Sie ersetzen jedoch weder hochwertiges Grundfutter noch eine ausgewogene Haltung. Entscheidend sind Qualität, Zusammensetzung und der tatsächliche Bedarf des Pferdes.

Was versteht man unter Wiesenkräutern?

Als Wiesenkräuter bezeichnet man verschiedene Wildkräuter, die natürlicherweise auf artenreichen Wiesen wachsen. Viele dieser Pflanzen gehören seit Jahrhunderten zum natürlichen Nahrungsspektrum von Pferden.

Zu den bekanntesten gehören unter anderem:

  • Löwenzahn
  • Spitzwegerich
  • Breitwegerich
  • Schafgarbe
  • Brennnessel
  • Gänseblümchen
  • Kamille
  • Ringelblume
  • Malve
  • Wiesenklee

In einer vielfältigen Weidelandschaft suchen Pferde diese Pflanzen häufig gezielt aus. Ihr natürlicher Instinkt hilft ihnen dabei, unterschiedliche Kräuter entsprechend ihres individuellen Bedarfs aufzunehmen. Moderne Pferdeweiden sind jedoch oftmals deutlich artenärmer als natürliche Graslandschaften.

Warum enthalten heutige Pferdeweiden oft kaum noch Kräuter?

Viele Weiden werden heute intensiv genutzt und regelmäßig nachgesät. Dabei kommen überwiegend leistungsfähige Grasarten zum Einsatz, die hohe Erträge liefern und eine dichte Grasnarbe bilden. Für die Artenvielfalt hat diese Bewirtschaftung jedoch häufig Nachteile.

Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • intensive Düngung
  • häufiger Schnitt
  • starke Beweidung
  • Bodenverdichtung
  • fehlende Pflege der Weideflächen

Das Ergebnis sind oft reine Grasbestände mit einer deutlich geringeren Vielfalt an Wildkräutern.

Welche Vorteile können Wiesenkräuter bieten?

Natürliche Pflanzenstoffe

Viele Wildkräuter enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle sowie natürliche Antioxidantien. Diese Inhaltsstoffe können den Organismus unterstützen und die tägliche Ration sinnvoll ergänzen. Dennoch ersetzen Kräuter keine tierärztliche Behandlung oder eine ausgewogene Fütterung.

Mehr Abwechslung im Futterplan

Pferde sind von Natur aus Dauerfresser und nehmen in freier Wildbahn zahlreiche verschiedene Pflanzenarten auf. Getrocknete Wiesenkräuter können diese Vielfalt ergänzen, insbesondere wenn nur begrenzte Weideflächen oder artenarme Wiesen zur Verfügung stehen.

Saisonale Unterstützung

Viele Pferdehalter setzen Kräuter gezielt in bestimmten Phasen des Jahres ein, beispielsweise:

  • während des Fellwechsels
  • in den Wintermonaten
  • bei erhöhter körperlicher Belastung
  • nach längeren Stallzeiten
  • bei eingeschränktem Weidegang

Können Wiesenkräuter Mangelerscheinungen ausgleichen?

Hier besteht ein weit verbreiteter Irrtum. Zwar enthalten viele Kräuter Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, deren Gehalt schwankt jedoch erheblich. Sie reichen in der Regel nicht aus, um nachgewiesene Nährstoffdefizite zuverlässig auszugleichen.

Die Grundlage einer ausgewogenen Pferdefütterung bleibt deshalb:

  • hochwertiges Heu
  • frisches Wasser
  • bedarfsgerechtes Mineralfutter
  • gegebenenfalls angepasstes Kraftfutter

Wiesenkräuter sind eine sinnvolle Ergänzung – kein Ersatz.

Sind teure Kräutermischungen ihr Geld wert?

Qualität macht den Unterschied

Hochwertige Kräutermischungen zeichnen sich durch eine schonende Verarbeitung und eine nachvollziehbare Herkunft aus. Sie verzichten auf unnötige Zusätze und bestehen aus sorgfältig ausgewählten Pflanzen.

Merkmale hochwertiger Produkte:

  • schonende Trocknung
  • naturbelassene Verarbeitung
  • transparente Herkunft
  • ausgewogene Zusammensetzung
  • Verzicht auf künstliche Zusätze

Marketing oder echter Mehrwert?

Nicht jede Kräutermischung hält, was die Verpackung verspricht. Aussagen wie „entgiftet“, „heilt Stoffwechselprobleme“ oder „ersetzt Mineralfutter“ sollten kritisch hinterfragt werden. Für viele dieser Werbeaussagen fehlen belastbare wissenschaftliche Nachweise.

Frische oder getrocknete Wiesenkräuter?

Frische Kräuter

  • natürlich und unverarbeitet
  • hoher Feuchtigkeitsgehalt
  • artgerechte Ergänzung
  • saisonabhängig
  • Gefahr der Verwechslung mit giftigen Pflanzen

Getrocknete Kräuter

  • ganzjährig verfügbar
  • leicht zu lagern
  • konstante Qualität
  • einfach zu dosieren
  • teilweise geringerer Vitamingehalt durch die Trocknung

Bei hochwertigen Produkten bleiben durch eine schonende Trocknung viele wertvolle Inhaltsstoffe erhalten.

Beliebte Wiesenkräuter für Pferde

Brennnessel

Brennnesseln enthalten zahlreiche Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und werden häufig während des Fellwechsels gefüttert.

Spitzwegerich

Spitzwegerich gehört zu den klassischen Wiesenpflanzen und ist Bestandteil vieler hochwertigen Kräutermischungen.

Schafgarbe

Schafgarbe enthält Bitterstoffe und wird seit Langem als natürliche Ergänzung in der Pferdefütterung geschätzt.

Löwenzahn

Löwenzahn liefert zahlreiche Pflanzenstoffe und wird von vielen Pferden gerne aufgenommen.

Kamille

Kamille wird häufig als gelegentliche Ergänzung eingesetzt und ist vielen Pferdehaltern aus der traditionellen Pflanzenkunde bekannt.

Wann sollte auf Kräuter verzichtet werden?

Auch natürliche Futtermittel sind nicht automatisch für jedes Pferd geeignet. Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • tragenden Stuten
  • Pferden mit Stoffwechselerkrankungen
  • laufender Medikamentengabe
  • bekannten Allergien
  • tierärztlichen Behandlungen

Im Zweifel sollte die Fütterung mit einem Tierarzt oder Fütterungsexperten abgestimmt werden.

Wie werden Wiesenkräuter richtig gefüttert?

Die Dosierung richtet sich nach Körpergewicht, Gesundheitszustand, Jahreszeit und der übrigen Fütterung. Grundsätzlich gilt: Weniger ist häufig mehr. Eine abwechslungsreiche und zeitlich begrenzte Gabe entspricht dem natürlichen Fressverhalten vieler Pferde eher als eine dauerhafte Hochdosierung.

Die Grundlage bleibt hochwertiges Raufutter

So wertvoll Wiesenkräuter auch sein können – sie ersetzen niemals hochwertiges Heu. Ein gesundes Verdauungssystem benötigt vor allem strukturreiches Raufutter, ausreichend Fresszeit und eine hygienische Fütterung.

Zu einer artgerechten Versorgung gehören:

  • hochwertiges Heu
  • sauberes Trinkwasser
  • bedarfsgerechte Mineralversorgung
  • ausreichend Bewegung
  • stressarme Haltung

Ebenso wichtig sind hochwertige Heuraufen, Futterraufen und Futterschalen. Sie helfen dabei, Futterverluste zu reduzieren, das Heu sauber zu halten und auch Kräutermischungen hygienisch anzubieten.

Wiesenkräuter – sinnvoll oder Geldmacherei?

Die pauschale Aussage, Wiesenkräuter seien reine Geldmacherei, greift zu kurz. Ebenso falsch wäre die Annahme, jede Kräutermischung bringe automatisch gesundheitliche Vorteile.

Entscheidend sind:

  • der tatsächliche Bedarf des Pferdes
  • eine hochwertige Produktqualität
  • eine sinnvolle Zusammensetzung
  • realistische Erwartungen
  • eine ausgewogene Grundfütterung

Wer über kräuterreiche Weiden verfügt, benötigt häufig keine zusätzlichen Kräutermischungen. Bei Pferden mit begrenztem Weidegang oder artenarmen Flächen können hochwertige Wiesenkräuter jedoch eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

Fazit

Wiesenkräuter können die Pferdefütterung sinnvoll ergänzen und für mehr Vielfalt im Futterplan sorgen. Sie liefern natürliche Pflanzenstoffe und unterstützen eine möglichst naturnahe Ernährung. Gleichzeitig sind sie kein Wundermittel und ersetzen weder hochwertiges Heu noch Mineralfutter oder eine bedarfsgerechte Fütterung.

Wer auf hochwertige Qualität achtet und Wiesenkräuter gezielt einsetzt, kann seinem Pferd einen echten Mehrwert bieten. Gleichzeitig sollte die gesamte Fütterung stimmen: Hochwertiges Raufutter, eine hygienische Futtervorlage mit passenden Heuraufen und Futterraufen sowie eine artgerechte Haltung bilden die Grundlage für gesunde und leistungsfähige Pferde.

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